Fußball und Macht
Die Fußball-WM der Männer in den USA, Kanada und Mexiko dominiert die Schlagzeilen – mich hat das Fieber diesmal trotzdem nicht gepackt. Dabei verbinde ich mit dem Turnier auch viele schöne Erinnerungen: den Sommer 2006 zwischen Fanmeile und Public Viewing oder den Moment 2014, als Mario Götze traf und ich noch genau weiß, wo und mit wem ich daraufhin in Jubel ausgebrochen bin. Spätestens seit den WM-Vergaben 2018 nach Russland, 2022 nach Katar und einem von Gianni Infantino erfundenen „Friedenspreis“ für Donald Trump drängt sich jedoch eine Frage auf: Wer kontrolliert den Weltfußball eigentlich wirklich?
Darum gibt es diesmal vier sehr unterschiedliche Hörtipps, die das Thema Fußball von verschiedenen Seiten analysieren: politisch, queer, investigativ und mit einer Portion Humor.
Ein gutes Hörerlebnis wünscht
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ist Podcast-Autorin von Geschichts- und Storytellingformaten. Sie liebt tiefgründige Recherchen ebenso wie innovative Erzählweisen. Dafür findet sie Inspiration in allen Genres - von Kinderhörspiel über Interviews bis Reportageserien. Hauptsache gut erzählt.
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Behind the Games
Gianni Infantinos Fußballautokratie
104 Spiele, 48 Teams, 3 Gastgeberländer – die aktuelle Fußball-WM ist die größte aller Zeiten. Wie sehr es dabei vor allem ums Geld und um Macht geht, zeigt der Deutschlandfunk-Podcast „Behind The Games – Wer den Sport kontrolliert“. In fünf Folgen erzählen Matthias Friebe und Maximilian Rieger, wie Korruption, politische Deals und wirtschaftliche Interessen das System FIFA prägen – und wie Präsident Gianni Infantino dieses System zu seiner persönlichen Machtbasis ausgebaut hat. Zur Erinnerung: Er kam eigentlich nach diversen Skandalen an die Spitze der FIFA, als alle Zeichen auf Reformen und Entwicklung hin zu mehr Transparenz standen. Stattdessen wurden unabhängige Köpfe in der Fifa entfernt, Paragrafen umgeschrieben, Satzungen geändert, um alles auf eine Rolle auszurichten: die des Präsidenten.
Das allein ist schon spannend zu hören, zusätzlich lebt der Podcast von den Interviewgästen: Der ehemalige Mitarbeiter Alexander Koch und Investigativjournalist Thomas Kistner geben seltene Einblicke hinter die Kulissen, von der Ära Blatter über den Korruptionsskandal bis zur WM-Vergabe nach Katar und Saudi-Arabien. Ein Podcast, nach dem man den Weltfußball mit anderen Augen sieht. Ich konnte ihn ganz oft nur kopfschüttelnd hören.
Länge: 5 Folgen à ca. 40 Min.
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Ok, America?
Die WM und die Maga-Bewegung
2018 bekam die gemeinsame Bewerbung von USA, Kanada und Mexiko den Zuschlag, die WM 2026 auszutragen. Das Motto damals: "United as One". Mussten Sie gerade auch kurz zynisch auflachen? Denn das Motto ist kaum mehr vorstellbar in einer Zeit, in der Präsident Trump wiederholt von Kanada als 51. Bundesstaat fantasiert und den südlichen Nachbarn mit Zöllen, Zäunen und Drohungen überzieht. Die politische Lage zwischen den drei Ländern und die ökonomische gegenseitige (!) Abhängigkeit sowie die Verstrickung der FIFA in die Maga-Bewegung beleuchtet mein Lieblings-USA-Erklärpodcast "Ok, America?".
Länge: 40 Min.
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Willkommen im Club
Fußball und Queerness
Passend zur laufenden Männer-WM fragen sich die Hosts Sophia und Dimi: Wo sind eigentlich die geouteten Fußballer? Da beide nicht so fußballaffin sind, haben sie sich einen besonderen Gast eingeladen: Ex-Kicker und Mr. Gay Germany Benjamin Näßler, der sich für queere Sichtbarkeit im Fußball einsetzt und Vereine berät. Sie reden mit ihm über seine Erfahrungen als Jugendlicher im Sportverein und darüber, warum sich im Männerprofifußball immer noch kaum jemand outet. Sehr offen, sehr reflektiert.
Länge: 38 Min.
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too many tabs
Von singenden Fußballern und schrägen Maskottchen
Zum Abschluss noch was mit Humor: Caro Worbs und Miguel Robitzky tauchen in ihrer neuesten Folge in wunderbar nerdige Rabbit Holes zum Thema Fußball ein. Caro holt zum Beispiel Goleo, das Maskottchen der WM 2006, den Löwen ohne Hose, aus der Mottenkiste. Und Miguel erinnert uns an WM-Songs – und zwar die, die von den Fußballern selbst gesungen wurden. Wie 1966 "Gute Freunde kann niemand trennen" von Franz Beckenbauer oder 1974 "Fußball ist unser Leben", der erste Song bei dem die ganze Deutsche Nationalmannschaft ans Mikrofon musste. Was wurde eigentlich aus dieser schönen Tradition? Sehr unterhaltsam, hier geht man mit Ohrwürmern raus.
Zum Thema WM-Song hab ich noch eine weitere Podcastempfehlung: 2006 hat ein Lied alle offiziellen Hymnen in den Schatten gestellt: "54, 74, 90, 2006" von Sportfreunde Stiller. Wie die Band damals ihr persönliches Sommermärchen erlebt hat, gibt’s im Podcast ARD Ikonen Sportfreunde Stiller zu hören. Ich war Teil des Teams und hatte besonders viel Spaß bei der Arbeit an Folge 3: Da erzählen sie, wie der Song es durch die Hintertür in die Fußballstadien geschafft hat und warum sie kurzzeitig um ihren Auftritt auf der Fanmeile am Brandenburger Tor bangen mussten. Wir haben bei den Interviews sehr viel gelacht.
Und das wünsch ich jetzt auch: Viel Spaß beim Fußball – ob schauen, hören oder selber spielen.
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